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Mercuria CFO im FINANCE MAGAZINE - Interview
09.10.2013

  • Wir müssen Mercuria Energy entmystifizieren

 

Mercuria Energy gehört mit einem Umsatz von knapp 100 Milliarden US-Dollar zu den fünf größten Rohstoffhändlern der Welt. Durch ihre Verschwiegenheit ist die Branche in Verruf geraten. Im FINANCE-Interview spricht CFO Guillaume Vermersch über Transparenz.

Mercuria Energy ist einer der Rohstoffriesen vom Genfer See. Sie gelten allesamt als extrem mächtig und extrem verschwiegen. Wie stehen Sie zu dem Thema Transparenz?

Das ist eine Wahrnehmung, ein Image, unter dem die gesamte Branche leidet. Es trifft allerdings zu, dass Rohstoffhändler in der Vergangenheit nicht gerade für völlige Transparenz bekannt waren. Ich denke aber, dass in den vergangenen fünf bis zehn Jahren eine Wandlung eingesetzt hat. Mercuria feiert übrigens im ersten Quartal 2014 zehnjähriges Jubiläum. Transparenz ist ein echter Werttreiber geworden.

Was bedeutet für Sie Transparenz?

Transparenz bedeutet für uns, dass wir erklären, wer wir sind, wohin wir uns entwickeln wollen, wie wir Gewinn machen und wie wir unsere Risiken überwachen. Unsere Strategie und Geschäftsphilosophie zu erklären, war immer eines unserer Kernthemen. Heute wird Transparenz von allen unseren Stakeholdern zu Recht eingefordert. So ist Transparenz gegenüber unseren finanziellen Partnern der einzige Weg, wie wir effektiv mit ihnen zusammenarbeiten und weiter wachsen können. Es ist wichtig, die Nachhaltigkeit unseres Geschäfts zu erklären. Wir müssen entmystifizieren, was heutzutage ein globales Handelshaus ist.

Wenn Sie schon so transparent werden –warum plant Mercuria dann keinen IPO?

Wir sind ein recht junges Unternehmen im Vergleich zu einigen unserer Wettbewerber. Das, was wir in den vergangenen zehn Jahren erreicht haben, ist mehr als das, was andere in zwanzig Jahren erreichen. Es gibt aber definitiv noch Raum für den Ausbau unseres Geschäfts, wenn wir uns mit strategischen Partnern zusammentun, bevor wir formal den öffentlichen Eigenkapitalmarkt über einen Börsengang anzapfen. Ich glaube, dass es auf mittlere Sicht keinen IPO von Mercuria geben wird. Eines Tages kann das aber möglich sein.

Ihr CEO sagte vor einigen Wochen, dass es Ende dieses Jahres eine Entscheidung über einen Partner geben wird. Wie weit sind Sie?

Das ist vertraulich. Ich kann aber so viel sagen: Von einer Liste mit ursprünglich fünfzehn Unternehmen aus verschiedenen Branchen, die stark an einer Partnerschaft interessiert sind, haben wir vier sorgfältig ausgewählt. Mit einigen von ihnen sind die Gespräche sehr weit fortgeschritten. Das künftige Portfolio von strategischen Partnern wird etwa 20 Prozent von Mercurias Eigenkapital repräsentieren. und das eröffnet Mercuria und unseren Partnern neues Wachstumspotential.

 

  • Müssen die Logik der Rohstoffflüsse verstehen

 

Viele Rohstoffhändler sind auf Einkaufstour: Sie übernehmen Minenbetreiber, Raffinerien und Tankstellen, denn in Zeiten stabiler Ölpreise können sie sich nicht mehr nur auf das Arbitragegeschäft verlassen. Mercuria Energy geht einen anderen Weg, wie CFO Guillaume Vermersch erzählt.

Ihre Wettbewerber treiben die Vertikalisierung stark voran. Warum hören wir von Mercuria keine Neuigkeiten aus dieser Richtung?

Das Geschäftsmodell von Mercuria ist anders. Wir sehen uns eher als ein Unternehmen, das Dienstleistungen und Lösungen anbietet, um natürliche Ineffizienzen in der Lieferkette auszugleichen. Wir können diese Ungleichgewichte entlang der Wertschöpfungskette korrigieren, indem wir unsere logistische Expertise einbringen. Damit werden wir den Anforderungen unserer Kunden gerecht, die immer komplexer werden. Wir sind nicht für die einmalige attraktive Marge da, sondern für die Langzeitbeziehung.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Wir sind weltweit vertreten und haben ein tiefes Wissen über die verschiedenen Rohstoffe, mit denen wir handeln. Das versorgt uns mit Informationen, die wir dann mit unseren Kunden teilen, um ihr Geschäft weniger risikobehaftet zu machen. Wir haben alle Werkzeuge, um einem Produzenten, Endverbraucher oder einem anderen Akteur entlang der Wertschöpfungskette zu helfen.

Bedeutet das, dass Sie sich nicht mehr nur auf das klassische Arbitragegeschäft verlassen?

Arbitrage ist nicht verschwunden. Es ist aber schwieriger geworden, sie zu identifizieren. Darum müssen wir global sein und die Logik der weltweiten Rohstoffflüsse verstehen, um immer einen Schritt voraus zu sein. Wir konzentrieren uns darauf, unseren Partnern dieses Mehr an Informationen zur Verfügung zu stellen. Die klassische Arbitrage ist nicht mehr so wertvoll, wie sie früher war.

Welche Finanzierungsprojekte sind nach der Refinanzierung vom Sommer geplant?

Im Juli haben wir unsere europäische revolvierende Kreditlinie über 1,8 Milliarden US-Dollar erneuert. Wir werden sehr bald wieder auf dem Kapitalmarkt aktiv sein, um unseren 800 Millionen Dollar schweren asiatischen Revolver, denominiert in Dollar und Offshore Renminbi, zu erneuern. Wir sind sehr darauf bedacht, unsere Finanzierungsquellen zu diversifizieren. Der Bankenmarkt ist allerdings der natürliche Markt für unsere Finanzierungsaktivitäten, wir pflegen Beziehungen zu mehr als 100 Banken. Unser laufendes Eigenkapitalprojekt  ist der nächste unmittelbare Schritt. Es wird uns Raum geben, weitere Fremdkapitalinstrumente einzusetzen.

Reagieren Sie damit auf einen erschwerten Kreditzugang?

Wir haben eine Hinwendung zur Qualität erlebt. Im Grundsatz haben davon die guten und starken Tier 1-Unternehmen wie Mercuria sogar noch durch weitere Bankunterstützung profitiert. Die Banken haben stattdessen vermutlich ihre Beziehungen zu Tier 2- und Tier 3-Unternehmen gekappt, um sich auf Unternehmen wie uns zu konzentrieren.

Von Anne-Kathrin Meves, Finance Magazine

 

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